CAFM-Blog.de | Kosteneinsparungen durch CAFM: Den Nutzen realistisch berechnen

Kosteneinsparungen durch CAFM: Den Nutzen realistisch berechnen

Die Einführung eines CAFM-Systems ist für viele Unternehmen eine strategische Entscheidung. Neben besseren Daten, transparenten Prozessen und einer höheren Rechtssicherheit steht dabei meist eine zentrale Frage im Raum: Welche Kosten lassen sich durch CAFM tatsächlich einsparen?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Einsparungen hängen immer von der Größe des Portfolios, dem bisherigen Digitalisierungsgrad, der Datenqualität und den vorhandenen Prozessen ab. Dennoch lassen sich Nutzenpotenziale gut abschätzen, wenn Kosten, Mengen und Bearbeitungszeiten strukturiert betrachtet werden.

CAFM kann insbesondere in der Instandhaltung, im Energiemanagement, in der Dienstleistersteuerung und bei administrativen Prozessen Kosten reduzieren. Entscheidend ist jedoch nicht allein die Software. Die Einsparungen entstehen, wenn Unternehmen ihre Prozesse vereinheitlichen, Daten aktuell halten und die gewonnenen Informationen für operative und strategische Entscheidungen nutzen.

Warum CAFM Kosten senken kann

Facility Management ist in vielen Organisationen durch eine hohe Zahl wiederkehrender Vorgänge geprägt: Störungen werden gemeldet, Wartungen geplant, Dienstleister beauftragt, Rechnungen geprüft, Flächen verwaltet und Betreiberpflichten dokumentiert.

Wenn diese Aufgaben über verschiedene Excel-Dateien, E-Mails, Papierformulare oder Einzellösungen laufen, entstehen zusätzliche Aufwände. Informationen fehlen, müssen gesucht oder mehrfach eingegeben werden. Verantwortlichkeiten sind nicht eindeutig, Fristen werden übersehen und der Status von Vorgängen ist nur mit Rückfragen zu klären.

Ein CAFM-System schafft eine zentrale Daten- und Prozessbasis. Es verknüpft Gebäude, Flächen, Anlagen, Verträge, Aufträge, Dokumente und Kosten. Dadurch können Vorgänge nachvollziehbarer, schneller und einheitlicher bearbeitet werden.

Typische Effekte sind:

  • Weniger manueller Aufwand bei Meldungen, Aufträgen und Freigaben
  • Schnellere Bearbeitung technischer Störungen
  • Bessere Planung von Wartungen und Prüfungen
  • Höhere Transparenz über Kosten und Leistungen
  • Verbesserte Steuerung externer Dienstleister
  • Frühere Erkennung von Energieverbräuchen und Abweichungen
  • Weniger Medienbrüche zwischen Fachbereichen und Standorten
  • Vollständigere Dokumentation von Betreiberpflichten

Nicht jeder Effekt führt sofort zu einer direkt sichtbaren Rechnungskürzung. Häufig werden zunächst interne Kapazitäten frei. Diese können für zusätzliche Aufgaben, bessere Kontrollen oder den Abbau externer Leistungen genutzt werden. Deshalb sollte bei der Bewertung zwischen direkten Einsparungen, vermiedenen Kosten und qualitativen Verbesserungen unterschieden werden.

Die Wirtschaftlichkeit strukturiert betrachten

Für eine belastbare Wirtschaftlichkeitsanalyse müssen Kosten und Nutzen gegenübergestellt werden. Die Richtlinie GEFMA 460 bietet dafür einen etablierten Rahmen. Sie hilft dabei, die Einführung von CAFM und anderen Digitalisierungsansätzen nachvollziehbar zu bewerten.

Auf der Kostenseite stehen nicht nur die Softwarelizenz oder die monatliche Subskription. Auch interne und externe Projektaufwände gehören in die Rechnung.

Typische Kosten sind:

  • Auswahl und Beschaffung des Systems
  • Fachkonzeption und Projektmanagement
  • Aufnahme, Bereinigung und Übernahme von Daten
  • Konfiguration von Rollen, Formularen und Workflows
  • Schnittstellen zu anderen Systemen, etwa ERP oder Dokumentenmanagement
  • Schulung der Mitarbeitenden und Dienstleister
  • Laufende Lizenz-, Hosting- und Supportkosten
  • Interne Administration und Datenpflege

Dem gegenüber stehen die erwarteten Nutzeffekte. Dazu gehören beispielsweise niedrigere Wartungskosten, ein geringerer Zeitaufwand für administrative Tätigkeiten oder reduzierte Energiekosten.

Eine einfache Formel für den Return on Investment lautet:

ROI = (Nutzen − Kosten) / Kosten × 100

Ein positiver ROI zeigt, dass der bewertete Nutzen höher ist als die Kosten. In der Praxis ist zusätzlich die Amortisationszeit wichtig. Sie beschreibt, wann die kumulierten Einsparungen die Investition decken.

Bei gut abgegrenzten CAFM-Projekten kann eine Amortisation innerhalb von zwei bis drei Jahren realistisch sein. In größeren Projekten hängt sie stark davon ab, wie umfangreich die Datenaufbereitung, Prozessharmonisierung und Systemintegration ausfallen.

Einsparpotenziale richtig berechnen

Für die Berechnung von Einsparpotenzialen reichen häufig einfache Formeln. Wichtig ist, mit den tatsächlichen Mengen und Kosten des eigenen Unternehmens zu arbeiten.

Bei einem administrativen Prozess kann die Berechnung so aussehen:

Einsparung = Vorgangsmenge × Zeitersparnis × Stundensatz

Ein Unternehmen bearbeitet beispielsweise 10.000 Störmeldungen pro Jahr. Durch digitale Formulare, automatische Weiterleitungen und mobile Rückmeldungen sinkt der administrative Aufwand je Meldung um 15 Minuten. Bei einem internen Verrechnungssatz von 50 Euro je Stunde ergibt sich folgende jährliche Einsparung:

10.000 Meldungen × 0,25 Stunden × 50 Euro = 125.000 Euro pro Jahr

Dabei ist zu prüfen, ob die freigesetzte Zeit tatsächlich wirtschaftlich genutzt werden kann. Wird beispielsweise auf zusätzliche Personalkapazität verzichtet, werden externe Leistungen reduziert oder die Produktivität des Teams erhöht, handelt es sich um einen wirtschaftlich wirksamen Effekt.

Für bestehende Kostenblöcke wie Energie oder Wartung kann mit einer Einsparquote gerechnet werden:

Einsparung = Ausgangskosten × Einsparquote

Liegen die jährlichen Kosten für Wartung und Instandhaltung bei 400.000 Euro und kann ein CAFM-gestützter Prozess konservativ 8 Prozent einsparen, ergibt sich:

400.000 Euro × 8 Prozent = 32.000 Euro pro Jahr

Wichtig ist eine vorsichtige Annahme. Statt mit maximalen Studienwerten zu kalkulieren, sollten Unternehmen zunächst nur die Effekte ansetzen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit erreichbar sind.

Wartung und Instandhaltung gezielter steuern

Wartung und Instandhaltung gehören zu den Bereichen mit den größten Einsparpotenzialen. Viele Unternehmen verfügen zwar über Wartungsverträge und Prüfpflichten, haben aber keinen vollständigen Überblick über Anlagen, Fristen, Kosten und tatsächlich erbrachte Leistungen.

Ein CAFM-System kann Wartungen und Prüfungen automatisch terminieren, Aufträge generieren und die Rückmeldungen von internen Teams oder Dienstleistern zentral dokumentieren. Die Anlagenhistorie wird nachvollziehbar. Störungen können ausgewertet und wiederkehrende Fehler erkannt werden.

Das verbessert nicht nur die Dokumentation, sondern auch die Wirtschaftlichkeit. Unternehmen können zum Beispiel erkennen:

  • Welche Anlagen besonders hohe Störungs- oder Reparaturkosten verursachen
  • Bei welchen Objekten Wartungsfristen kritisch werden
  • Welche Dienstleister Leistungen verspätet oder unvollständig erbringen
  • Wo sich eine Reparatur noch lohnt und wo eine Erneuerung wirtschaftlicher ist
  • Welche Wartungsleistungen mehrfach oder unnötig beauftragt werden

In Praxisberichten werden Einsparungen von bis zu 20 Prozent bei Wartungs- und Instandhaltungskosten genannt. Dieser Wert ist als Orientierung zu verstehen. Ein gut organisierter technischer Betrieb wird in der Regel geringere Verbesserungen erzielen als ein Unternehmen mit vielen manuellen Prozessen und unvollständigen Daten.

Energiekosten besser kontrollieren

Energie ist ein wesentlicher Kostenblock im Gebäudebetrieb. Gleichzeitig ist es oft schwierig, Verbrauchsabweichungen frühzeitig zu erkennen. Häufig liegen Daten zwar vor, werden aber nicht regelmäßig ausgewertet oder nicht mit Flächen, Nutzungszeiten und technischen Anlagen verknüpft.

CAFM kann Energiedaten strukturiert erfassen und auswerten. Werden Zählerstände, Kosten, Flächen und technische Informationen zusammengeführt, lassen sich auffällige Verbräuche schneller erkennen. Daraus können konkrete Maßnahmen entstehen, beispielsweise die Anpassung von Betriebszeiten, die Prüfung einer Anlage oder die Optimierung von Regelparametern.

Ein einfaches Beispiel: Der Energieverbrauch eines Gebäudes sinkt von 900 auf 750 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr. Die Einsparung beträgt rund 16,7 Prozent.

In der Praxis entstehen solche Verbesserungen nicht allein durch das CAFM-System. Die Software schafft Transparenz und unterstützt die Nachverfolgung. Die eigentliche Einsparung entsteht durch technische und organisatorische Maßnahmen.

Je nach Ausgangslage werden im Energiebereich Einsparpotenziale von etwa 15 bis 25 Prozent genannt. Unternehmen sollten diese Werte individuell prüfen. Wer bereits ein professionelles Energiemanagement betreibt, wird kurzfristig meist geringere Einsparungen erzielen. Dort liegt der Nutzen eher darin, Abweichungen schneller zu entdecken und Erfolge dauerhaft abzusichern.

Prozesse automatisieren und Personal entlasten

Viele CAFM-Projekte starten mit dem Störungs- und Auftragsmanagement. Der Grund ist nachvollziehbar: Hier sind die Prozesse häufig wiederkehrend, gut messbar und für Nutzende unmittelbar spürbar.

Eine digitale Störmeldung enthält bereits alle wichtigen Informationen: Standort, Raum, Kategorie, Priorität, Beschreibung und gegebenenfalls Fotos. Das System leitet sie automatisch an die richtige Stelle weiter. Mitarbeitende und Dienstleister können den Auftrag mobil bearbeiten und ihren Arbeitsstatus zurückmelden. Rückfragen und manuelle Statuslisten werden reduziert.

Das spart Zeit und verbessert die Servicequalität. In Praxisbeispielen werden Bearbeitungsbeschleunigungen von etwa 30 bis 40 Prozent genannt. Auch eine Reduzierung des administrativen Personalaufwands um bis zu 30 Prozent ist möglich, wenn vorher viele manuelle und dezentrale Abläufe bestanden.

Ein Beispiel aus einem Filialnetz: Ein Unternehmen bearbeitet 12.000 Meldungen im Jahr. Die durchschnittliche Bearbeitung einer Meldung verursacht eine Stunde administrativen Aufwand. Durch digitale Workflows können 80 Prozent dieses Aufwands reduziert werden. Bei einem kalkulatorischen Satz von 10 Euro je Stunde ergibt sich:

12.000 Meldungen × 1 Stunde × 80 Prozent × 10 Euro = 96.000 Euro pro Jahr

In einem solchen Szenario kommen häufig weitere Effekte hinzu: schnellere Beauftragung, weniger unnötige externe Einsätze, bessere Nachverfolgbarkeit und eine klarere Steuerung der Dienstleister.

Flächen und Kosten im Portfolio steuern

Auch im Flächenmanagement kann CAFM wirtschaftliche Vorteile schaffen. Unternehmen benötigen belastbare Informationen darüber, welche Flächen vorhanden sind, wie sie genutzt werden und welche Kosten sie verursachen.

Eine zentrale Flächendatenbasis hilft, Leerstände, Unterbelegungen oder unnötig vorgehaltene Flächen zu erkennen. Sie unterstützt Umzüge, Arbeitsplatzkonzepte, Kostenumlagen und die Flächenplanung. Besonders relevant wird dies bei großen Büroportfolios, Bildungsimmobilien, öffentlichen Liegenschaften oder dezentralen Unternehmensstrukturen.

Ein einfacher Ansatz ist die Betrachtung von Einsparungen je Quadratmeter. Wenn ein Portfolio 1 Million Quadratmeter umfasst und durch bessere Flächen-, Energie- oder Instandhaltungssteuerung 5 Euro je Quadratmeter und Jahr eingespart werden, ergibt sich ein jährliches Potenzial von:

1.000.000 Quadratmeter × 5 Euro = 5.000.000 Euro pro Jahr

Diese Zahl ist nur dann belastbar, wenn sie in einzelne Maßnahmen aufgeteilt wird. Mögliche Bestandteile sind geringere Energieverbräuche, optimierte Dienstleisterkosten, reduzierte Leerstände oder eine effizientere Nutzung von Büro- und Nebenflächen.

Pauschale Einsparwerte helfen bei einer ersten Orientierung. Für eine Investitionsentscheidung sollte jedoch immer nachvollziehbar sein, wie sich der Betrag zusammensetzt.

Kennzahlen für das Nutzencontrolling

Ein Business Case ist nur dann hilfreich, wenn die geplanten Effekte nach der Einführung auch überprüft werden. Deshalb sollten Unternehmen bereits zu Projektbeginn festlegen, welche Kennzahlen sie messen wollen und welche Ausgangswerte gelten.

Geeignete Kennzahlen sind:

  • Kosten pro Quadratmeter
  • Wartungs- und Instandhaltungskosten je Objekt oder Anlage
  • Anzahl und Dauer technischer Störungen
  • Anteil fristgerecht erledigter Wartungen und Prüfungen
  • Durchschnittliche Bearbeitungszeit je Ticket
  • Anteil digital und mobil abgewickelter Aufträge
  • Externe Dienstleisterkosten je Leistungsart
  • Energieverbrauch je Quadratmeter oder Nutzungseinheit
  • Flächenauslastung und Leerstandsquote
  • Durchlaufzeit von Rechnungen und Freigaben

Diese Kennzahlen sollten vor dem Projekt erhoben und nach dem Go-live regelmäßig verglichen werden. Nur so lässt sich erkennen, ob die erwarteten Einsparungen tatsächlich eintreten.

Dabei ist es sinnvoll, nicht nur auf Gesamtwerte zu schauen. Ein hoher Energieverbrauch oder viele Störungen können auf einzelne Gebäude, Anlagen oder Regionen konzentriert sein. CAFM hilft dabei, solche Auffälligkeiten sichtbar zu machen und gezielt Maßnahmen einzuleiten.

Fazit: CAFM-Nutzen messbar machen

CAFM kann die Kosten im Facility Management deutlich reduzieren. Besonders hohe Potenziale bestehen häufig bei manuellen Prozessen, unvollständigen Daten, dezentralen Strukturen und einer wenig transparenten Dienstleistersteuerung.

Die Einführung sollte jedoch nicht mit pauschalen Einsparversprechen begründet werden. Ein belastbarer Business Case basiert auf den Daten des eigenen Portfolios: Anzahl der Vorgänge, Bearbeitungszeiten, Wartungsbudgets, Energieverbräuche, Flächen und externe Kosten.

Die entscheidende Frage lautet nicht nur: „Welche Funktionen bietet das System?“ Sondern vor allem:

Welchen konkreten Prozess verbessern wir, wie hoch ist der heutige Aufwand und wie messen wir den Erfolg?

Wenn diese Fragen zu Beginn beantwortet werden, wird CAFM zu einem wirksamen Steuerungsinstrument. Es schafft Transparenz, reduziert unnötige Aufwände und liefert die Datenbasis für bessere Entscheidungen im Gebäudebetrieb.

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